Kathedrale Notre-Dame de Sion
Du startest an der Bischofskirche des Bistums Sitten, die die Einheimischen auch Notre-Dame du Glarier nennen. Als Erstes fällt der massige romanische Glockenturm mit seiner Kegelspitze auf. Er prägt das Stadtbild, und sein Kern stammt aus der Zeit um 1200. Der Rest der Kirche ist jünger, und genau dieser Kontrast erzählt die Geschichte des Baus.
Ende des 6. Jahrhunderts zog der Bischofssitz von Martigny, dem römischen Octodurum, nach Sitten. Wo die erste Bischofskirche stand, weiß niemand. An dieser Stelle entstand um 800 eine karolingische Kirche, die 1010 abbrannte; darauf folgte ein romanischer Bau. Brände und Kriege im Spätmittelalter setzten ihm so zu, dass das Langhaus zwischen 1450 und 1500 gotisch neu gebaut wurde, unter den Bischöfen Walter Supersaxo, Jost von Silenen, Nikolaus Schiner und Kardinal Matthäus Schiner. Romanischer Turm und gotisches Schiff bilden bis heute das Gesicht der Kathedrale.
Bevor du hineingehst, schau ins Bogenfeld über dem Portal: Das Fresko im Stil des norditalienischen Trecento zeigt die Muttergottes zwischen zwei heiligen Bischöfen und den Stiftern. Drinnen stehst du in einer dreischiffigen Basilika mit Querhaus und langem Chor, der erst 1947/48 um zwei Joche verlängert wurde. Das wichtigste Stück ist das spätgotische Altartriptychon mit der Wurzel Jesse, dem Stammbaum Christi. Die Orgel baute Hans Füglister 1988.
Der Eintritt ist frei, und eine Viertelstunde drinnen lohnt sich für jeden, der gotische Kunst mag. Merk dir den Namen Walter Supersaxo: Nach 130 m und zwei Minuten stehst du vor dem Haus, das sein Sohn gebaut hat.






















