Via Roma
Der Abschnitt der Via Roma gegenüber dem Hafen gilt in Cagliari als einer der „Salotti“, der guten Stuben der Stadt: eine lange Reihe von Palazzi mit Arkaden, darunter Cafés und Geschäfte. Geh ein Stück unter den Bögen entlang und schau dann an den Fassaden hoch. Klassische Säulen, Renaissance-Motive und Liberty-Dekor stehen hier bewusst nebeneinander, ein eklektischer Stil, der die ganze Häuserfront prägt.
Bis 1880 hättest du hier keine Promenade gefunden, sondern die Mauern und Bastionen des Marina-Viertels. Ein königliches Dekret vom 31. Dezember 1866 nahm Cagliari die Rolle als Festungsstadt, und ab 1880 fielen die Mauern, auch aus hygienischen Gründen. Die Vorgängerin der Via Roma hieß Via San Francesco al Molo, nach einer Kirche des heiligen Franz von Paola. An die Bastionen der Mole lehnten sich niedrige Häuschen mit einfachen Trattorien. Weiter westlich wurde die Gasse eng und krumm und hieß Via delle Conce, nach den Gerbereien, in denen Felle bearbeitet wurden.
Eingeweiht wurde die neue Straße am 6. Januar 1883. Die Palazzata, die Häuserfront, wuchs danach Stück für Stück: Der erste Bau entstand 1893, fertig war die Reihe erst 1988 mit dem Palazzo del Consiglio regionale, dem Sitz des sardischen Regionalrats. Fast ein Jahrhundert Bauzeit erklärt, warum kaum ein Haus dem anderen gleicht. Aus dem Abriss der Mauern entstanden übrigens auch Largo Carlo Felice und Viale Regina Margherita, die beiden anderen großen Achsen am Rand der Marina.
Westwärts läuft die Via Roma weiter ins Viertel Stampace, bis zur Piazza Matteotti mit Palazzo Civico und Bahnhof. Auch dein nächster Stopp liegt in Stampace: 660 Meter, rund zehn Minuten zur Chiesa di Santa Restituta.
















