Plaza Murillo
An der Plaza Murillo wird in Bolivien Politik gemacht, und das sieht man. Um den Platz stehen der Palacio Quemado, die Casa Grande del Pueblo, der Sitz der Plurinationalen Gesetzgebenden Versammlung und die Kathedrale. Regierung, Parlament und Kirche teilen sich hier einen einzigen Platz im Casco Viejo, der Altstadt. Der Platz ist jederzeit frei zugänglich; nimm dir ein paar Minuten, um die Fassaden ringsum in Ruhe anzusehen.
Angelegt wurde der Platz 1558. Juan Gutiérrez Paniagua, eingesetzt vom Corregidor Ignacio de Aranda, zog das rechtwinklige Straßenraster von La Paz auf dem Nordufer des Río Choqueyapu, gegenüber der ersten spanischen Siedlung mit rund 200 Spaniern und etwa 5.000 tributpflichtigen Indigenen. Der neue Hauptplatz löste den alten Platz der Spanier rasch ab, die heutige Plaza Alonso de Mendoza. Rundherum entstanden Cabildo mit Gefängnis, ein Haus der Jesuiten, die Kathedrale, die königliche Schatzkammer und die Bischofsresidenz.
Erst hieß der Platz Plaza Mayor, in der Kolonialzeit Plaza de Armas. Am 3. Februar 1902 bekam er seinen heutigen Namen, zu Ehren von Pedro Domingo Murillo, den spanische Truppen im Januar 1810 gefangen nahmen und hängten. Wer hier stand, stand oft mitten im Machtkampf: 1809, 1811, 1814, 1862, 1865, 1871, 1898, 1946, 1952 und 2002 wurde um den Platz gekämpft oder er wurde verteidigt.
Merk dir ein paar Namen der Unabhängigkeitskämpfer, die auf dem Platz oder ganz in der Nähe getötet wurden: neben Murillo etwa Apolinar Jaén, Juan Bautista Sagárnaga und Simona Manzaneda. Zwei von ihnen begegnen dir später als Straßennamen wieder. Zur Kathedrale sind es nur 180 m, rund 3 Minuten; dabei passierst du das Museo Nacional de Arte.


















