Vogtturm
Du stehst an der Ecke des Stadtplatzes, dort wo Dreifaltigkeitsgasse und Turmplatzl abzweigen. Der Vogtturm, früher auch Kastnerturm genannt, ragt 23,5 Meter auf. Schau dir den Grundriss an, wenn du um ihn herumgehst: Nord-, Süd- und Westseite messen je 8,6 Meter, die Ostseite aber 13,5 Meter. Der Turm ist also kein Quadrat, sondern ein Trapez.
Seine Geschichte reicht ins Hochmittelalter zurück, als am Fuß der Alpenübergänge Ansitze und Wehrbauten entstanden. Die römisch-deutschen Könige, Salier und Staufer, gaben den Pinzgau den Grafen von Lechsgemünd-Frontenhausen-Mittersill-Pinzgau zu Lehen, einem schwäbisch-bayerischen Adelsgeschlecht. Für sie war der Turm dreierlei: Bergfried zum Schutz, Kontrollpunkt, an dem Reisende überprüft und Wegmauten kassiert wurden, und ein Zeichen ihrer Macht als Statthalter des Königshauses.
Um die Mitte des 12. Jahrhunderts gehörte der Turm zu einem Häuserensemble, das einen dreieckigen, von Toren abgeschlossenen Innenhof umgab. Dieser Hof war der Marktplatz, und er ist der Stadtplatz, auf dem du gerade stehst. Der gräfliche Ansitz direkt daneben, einst Fuscher Haus und Neue Propstei, ist heute das Bankhaus Carl Spängler. Turm und Ansitz galten bis weit in die Neuzeit als „freies Eigen“ und hatten damit eine rechtliche Sonderstellung.
Heute beherbergt der Turm das Museum Vogtturm. Nach einer umfangreichen Sanierung ist er seit Juli 2020 wieder zugänglich; vier seiner fünf Stockwerke dienen als Ausstellungsfläche. Der Eintritt kostet, und der Turm hat nicht jeden Tag geöffnet. Wer sich für die Anfänge der Stadt interessiert, sollte hineingehen; wer nur wenig Zeit hat, versteht die Lage auch von außen.
Zur Kirche sind es nur 80 m, eine Minute zu Fuß. Auf dem kurzen Weg liegt auch der Zeller Wochenmarkt. Die Nähe ist kein Zufall: Kirche und Turm gehörten zum selben gräflichen Machtbezirk.






