Langgassertor
Das Langgassertor ist kein Wehrtor, sondern eine Visitenkarte. An seiner Stelle stand einst das gotische Langgassertor des Mittelalters; die Stadt ließ es abreißen und durch einen Bau ersetzen, der repräsentieren statt verteidigen sollte. 1612 war das neue Tor fertig, entworfen von Abraham van den Blocke. Schau dir die Form an: ein Durchgang wie ein Triumphbogen, flankiert von ionischen und kompositen Säulen, Manierismus mit klassischen Anklängen.
Oben auf den Attiken stehen acht allegorische Figuren, je vier pro Seite. Zur Stadtseite hin, also zur Langgasse, zeigen sie die Bürgertugenden Concordia, Iustitia, Pietas und Prudentia: Eintracht, Gerechtigkeit, Frömmigkeit und Klugheit. Auf der Außenseite stehen Pax, Libertas, Fortuna und Fama für das, was die Bürger anstrebten: Frieden, Freiheit, Glück und Ruhm. Die heutigen Figuren sind Rekonstruktionen von Kopien aus dem Jahr 1878; die Originale von Piotr Ringering aus dem Jahr 1648 hatte das Wetter zerstört.
Lies den Fries: Auf Deutsch steht dort ein Vers aus Psalm 122, „Es müsse wohlgehen denen, die dich lieben. Es müsse Friede sein inwendig in deinen Mauern“. Im 19. Jahrhundert saß hier die Königliche Kunstschule, 1945 wurde das Tor beschädigt und 1957 wieder aufgebaut. Direkt nördlich angebaut ist der Hof der Georgsbruderschaft, jener Kaufmannsgilde, die du im Artushof wiedertriffst.
Geh durch den Bogen hindurch: Nach wenigen Metern stehst du schon mitten auf dem Königsweg.






















