Manufaktura
Du stehst auf dem größten öffentlichen Platz von Łódź, umgeben von roten Ziegelfassaden, die einmal eine riesige Textilfabrik waren. Heute ist die Manufaktura Kulturzentrum, Einkaufsgalerie und Freizeitort zugleich, auf 27 Hektar. Auf dem Platz finden Konzerte und Sportveranstaltungen statt, rundherum liegen Restaurants und die Einkaufsgalerie.
Die Geschichte beginnt bescheiden: Kalman Poznański verkaufte am Stary Rynek Gewürze und Stoffe an einem Marktstand. Sein Sohn Izrael übernahm das Geschäft und dachte größer. An der Ogrodowa kaufte er Grundstücke und baute 1872 eine Weberei. In den folgenden 25 Jahren wuchs daraus ein ganzer Kosmos: Spinnereien, Bleiche, Kraftwerk, Färberei, Lagerhallen, eine eigene Feuerwehr und ein Werksladen.
Poznański baute auch für seine Arbeiter, und zwar Tausende davon: Wohnhäuser, ein Krankenhaus, eine Schule, ein Gemeinschaftshaus mit Kantine. Als er 1900 starb, schätzte man sein Vermögen auf 11 Millionen Rubel. Danach ging es bergab: Streiks 1905, der Erste Weltkrieg, die deutsche Besatzung und schließlich die Umbrüche in Russland, die den wichtigsten Absatzmarkt für Stoffe aus Łódź abschnitten.
Wenn dir das Gelände bekannt vorkommt: Hier wurde Reymonts Roman „Das gelobte Land“ verfilmt, die Geschichte der Industrialisierung von Łódź. Nach fünf Jahren Planung und vier Jahren Bauzeit öffnete die Manufaktura am 17. Mai 2006. Nimm dir Zeit, über den Platz zu gehen und die alten Fabrikmauern anzuschauen, bevor du die 90 Meter zum Palast hinübergehst, in dem der Mann wohnte, der all das gebaut hat.
















