Königsplatz
Du stehst auf einem runden Platz, auf den sechs Straßen zulaufen. Hier trifft die Obere auf die Untere Königsstraße, mitten durch fährt die Straßenbahn, ringsum ist Fußgängerzone. Was heute wie ein ganz normaler Innenstadtknoten wirkt, ist ein geplantes Stück Stadtbaukunst: Simon Louis du Ry legte den Platz 1767 im Zuge der Neugestaltung Kassels an. Benannt ist er nach Landgraf Friedrich I., der zugleich König von Schweden war.
Rund um den Platz saßen einst wichtige Behörden, darunter die Landesregierung und die Oberpostdirektion. Spannender ist die kurze französische Episode: Als Kassel Hauptstadt des Königreichs Westphalen war, hieß der Platz Napoléonsplatz. König Jérôme ließ 1810 per Dekret eine Statue seines Bruders anordnen. Am 12. November 1812 wurde sie enthüllt, ein Napoleon aus Carraramarmor von Antoine-Denis Chaudet, idealisiert als römischer Imperator mit Lorbeerkranz und Toga, in der Hand eine Rolle als Zeichen der Verfassung.
Lange stand er nicht. Nach dem Abzug der Franzosen wurde das Standbild 1813 zerschlagen; die verstümmelten Reste liegen heute im Museum Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen. Auch später sorgte die Platzmitte für Streit: Zur documenta 9 setzte der Landschaftsarchitekt Gustav Lange 1992 eine hölzerne Plattform hierher. Sie blieb nach der Ausstellung stehen, viele Kasseler sahen darin eine Verschandelung und forderten den Abriss, der Architekt hielt dagegen.
Ein Innenbesuch entfällt, hier genügen ein paar Minuten zum Umschauen. Danach gehst du 380 Meter, etwa fünf Minuten, zum Fridericianum, dem Haus, mit dem die documenta-Geschichte Kassels beginnt.






















