St.-Rombout-Kathedrale
Vor dir steht der Turm, um den sich in Mecheln alles dreht. Seit 1999 gehört er zum UNESCO-Welterbe der Belfriede in Belgien und Frankreich, und zwar nicht nur wegen seiner Architektur: Er diente der Stadt auch als Wachturm. Geplant war er mit 600 Mechelner Fuß, rund 167 Metern, höher als je ein Kirchturm gebaut wurde; das Ulmer Münster misst seit dem 19. Jahrhundert 161 Meter. Bezahlt haben ihn zuerst Pilger, später die Stadt, der er gehörte.
Die Kirche selbst ist älter. Gebaut wurde ab kurz nach 1200, geweiht 1312, als ein Teil benutzbar war. Ab 1324 bekamen Strebebögen und Chor die Züge der Brabanter Gotik, die sich von der französischen abhebt. Nach dem Stadtbrand von 1342 leitete Baumeister Jean d’Oisy die Reparaturen, und bis zu seinem Tod 1375 schuf er hier das Vorbild dieses Stils. Seine Nachfolger schlossen 1437 die Gewölbe des Langhauses, 1451 die des Chors; danach wuchs zwischen 1452 und 1520 der Turm.
Drinnen lohnt der Weg in den Chorumgang. Dort steht der Schrein mit den Reliquien, die als die des heiligen Rombout verehrt werden, eines Missionars und Märtyrers, der in der Nähe eine Abtei gründete. Die Überlieferung ließ ihn 775 sterben. Moderne Untersuchungen der Gebeine ergaben einen Menschen von etwa 40 Jahren, gestorben zwischen 580 und 655.
Erstaunlich ist der Untergrund: Der schwere Turm steht auf ehemaligem Sumpfland, auf Fundamenten von nur drei Metern Tiefe, und der Platz erwies sich als gut gewählt. Sein Baumeister Andries I Keldermans errichtete 1454 auch den Turm von Zierikzee, wo ein Neigen oder Absacken die Kirche hätte zerstören können. Daraus folgte die Lösung, Turm und Kirche als getrennte Bauten zu errichten, wie es auch in Mecheln geschah.
Die Kathedrale ist kostenlos, für den Turm zahlst du Eintritt. Wer die Stadt einmal von oben sehen will, plant ihn ein; mit wenig Zeit reicht der freie Innenraum. Dann gehst du 970 m, rund 14 Minuten, zur Brusselpoort, dem einzigen erhaltenen Stadttor.






















