Altpörtel
Du stehst vor dem alten Westtor der Stadt, 55 Meter hoch und eines von einst 68 Türmen in Speyers Mauern und Toren. Heute zählt es zu den größten und architektonisch bedeutendsten erhaltenen Stadttoren in Deutschland. Schau zuerst auf die Feldseite: Dort gibt es keine Fenster, nur zwei Reihen Schießscharten. Das war Absicht, denn von hier aus kam früher die Gefahr.
Der Turm ist eigentlich zwei Türme übereinander. Den Sockel bauten die Speyerer zwischen 1230 und 1250 auf den Resten eines Vorgängers. 1511 ließ der Bürgermeister den oberen Teil neu errichten, 1514 war er fertig, und das 20 Meter hohe Dach kam erst 1708 dazu. Ursprünglich verband das Tor die Altstadt mit der Vorstadt St. Gilgen.
Die beste Geschichte gehört ins Jahr 1689. Französische Truppen hatten schon Sprengladungen im Turm angebracht, als der Prior des nahen Karmeliterklosters bei Marschall Duras vorsprach: Stürze der Turm, würden die morschen Klostermauern mit einstürzen, und Duras' Hauptquartier lag ganz in der Nähe. Duras winkte ab, seine Leute verstünden ihr Handwerk. Da kniete der ganze Konvent vor den Soldaten mit ihren brennenden Fackeln nieder. Nach ein paar Minuten Bedenkzeit hieß es: „Steht auf, Kinder, der Turm soll stehen.“ Das Tor blieb, Stadt und Dom lagen danach in Trümmern.
Von innen kannst du den Turm gegen Eintritt besichtigen, allerdings nur zu festen Besuchsfenstern; an manchen Tagen gibt es Führungen. Für den Rundgang reicht auch der Blick von außen. Dreh dich dann um: Vor dir beginnt die Prachtstraße, auf der Kaiser und Hofstaat zu hohen kirchlichen Festen durch dieses Tor zum Dom zogen. Zum Purrmann-Haus sind es 300 m, etwa 4 Minuten, in die Gassen der Altstadt.




















