Piazza della Vittoria
Du startest auf einem Platz, der jünger ist als fast alles, was dich auf diesem Rundgang erwartet. Die Piazza della Vittoria entstand zwischen 1927 und 1932 nach Plänen des römischen Architekten Marcello Piacentini und gilt als Musterbeispiel für Architektur und Städtebau der faschistischen Jahre. Schau dich bewusst um: die große, offene Fläche, die geschlossenen Fassaden ringsum. Gleich wirst du merken, wie sehr sich das von den Gassen der Altstadt unterscheidet.
Denn genau solche Gassen standen hier vorher. Für den Platz wurde das mittelalterliche Viertel der Pescherie abgerissen, der südliche Zipfel des Carmine-Viertels. Die Wege waren teils nur zwei Meter breit, die Häuser daran bis zu 25 Meter hoch. Hier handelte man mit Fisch, Käse, Fleisch und Getreide, ein wichtiger Markt also, aber auch ein Viertel mit schlechten hygienischen Verhältnissen, das die Stadtplaner schon lange im Blick hatten.
Den Ausschlag gab die Politik. Der Bresciano Augusto Turati war gerade nationaler Sekretär der faschistischen Partei geworden, und mit seiner Rückendeckung, später auch der von Mussolini, begann die Stadt 1927 einen Umbau im großen Stil. Zum Wettbewerb kamen praktisch alle namhaften Architekten Italiens, auch Modernisten, doch am Ende hatte er nur beratenden Charakter: Den Auftrag bekam Piacentini, der gleich einen neuen Bebauungsplan für weite Teile der Stadt zeichnete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Symbole der faschistischen Ideologie vom Platz entfernt. Was blieb, ist die Architektur selbst, und die erzählt ihre Geschichte auch ohne Inschriften. Von hier sind es nur 180 Meter, zwei Minuten zu Fuß, zum Duomo vecchio: ein Sprung vom 20. ins 11. Jahrhundert.






















