Casa del Congreso de Angostura
Am Anfang steht das Haus, in dem Venezuelas Geschichte eine ihrer großen Szenen hatte. Die Casa del Congreso de Angostura, auch Palacio de Angostura genannt, liegt an der Westseite der Plaza Bolívar. Das Grundstück misst 2150 Quadratmeter: Die eine Hälfte nimmt ein zweigeschossiges Gebäude ein, die andere teilen sich zwei terrassierte Gärten, umschlossen von hohen Mauern, die nach kolonialem Brauch nahtlos in die Fassade übergehen. Schau in die Ecken: In einer liegt eine eiserne Kanone von anderthalb Metern Länge, die vermutlich Soldaten aus dem Fuerte Santa Fe hierherbrachten.
Gebaut hat das Haus der Gouverneur der Provinz Guayana, Manuel Centurión, zwischen 1766 und 1777, als Sitz einer Latein- und Literaturschule, des Colegio de Latinidad y Letras. Berühmt wurde es durch den Kongress von Angostura: Hier tagte die verfassunggebende Versammlung, vor der Simón Bolívar seine Rede von Angostura hielt, seine bekannteste, mit einer Analyse der politischen Lage und seinen Plänen für eine Verfassung. Eine Zeit lang wurde in diesen Mauern auch die Zeitung Correo del Orinoco herausgegeben.
Die dunkle Seite gehört dazu: Nach Bolívars eigener Schilderung sah er von einem der Balkone aus zu, wie General Manuel Piar erschossen wurde. Danach stritt man um das Haus. 1824 ordnete Francisco de Paula Santander, Vizepräsident Großkolumbiens, hier eine Knabenschule an, doch Bürokratie und der Streit zwischen Zentral- und Provinzregierung verhinderten sie. Im Dezember 1829 nahm der Apostolische Vikar Mariano de Talavera y Garcés das Haus in Besitz und ließ lateinische Grammatik unterrichten, bis man ihn 1831 vertrieb, weil er den Eid auf die Verfassung Venezuelas verweigerte. Ende des 19. Jahrhunderts zog das Colegio Federal Guayana ein.
Der Eintritt ist frei. Wer sich für Bolívar und die Unabhängigkeit interessiert, sollte hineingehen und sich die Gärten ansehen; wer wenig Zeit hat, nimmt wenigstens Fassade und Kanone mit. Zur Kathedrale Santo Tomás sind es nur 220 Meter, drei Minuten zu Fuß, und Talavera begleitet dich gewissermaßen dorthin: Derselbe Mann brachte die Kirche zu Ende.










