Castello Estense
Das Erste, was dir auffällt, ist das Wasser: Das Castello Estense ist ein mächtiger Block mit vier Ecktürmen, mitten im Zentrum und rundum von einem Wassergraben umgeben. Ein Prunkschloss war es am Anfang nicht. Gebaut wurde es aus Angst vor den eigenen Untertanen.
Am 3. Mai 1385 zogen die Ferraresen, ruiniert von Steuern und Überschwemmungen, vor den Palast des Markgrafen Niccolò II. d'Este. Sie wollten Tommaso da Tortona, den hohen Beamten, den sie für ihr Elend verantwortlich machten. Niccolò versuchte den ganzen Tag, die Menge zu beruhigen. Am Abend ließ er Tommaso nach Beichte und Kommunion ausliefern, und die Menge riss ihn buchstäblich in Stücke. Die Anführer des Aufstands bezahlten das später mit dem Leben, und der Markgraf zog seine Lehre: Der Familienpalast, der heutige Palazzo Comunale, bot bei Unruhen keinen Schutz.
Also ließ er an dessen Nordseite eine Festung bauen, entworfen von Bartolino da Novara. Der Architekt nutzte einen vorhandenen Turm der damaligen Stadtmauer, die Torre dei Leoni, und verband ihn durch Mauern mit drei neuen Türmen. Zwischen Residenz und Festung führte ein Laufgang in der Luft, vielleicht aus Holz, damit die Familie im Notfall hinüberfliehen konnte.
Als die Stadt wuchs und die Mauern nach außen rückten, verlor die Burg ihre Verteidigungsaufgabe und wurde zum Wohnsitz. Ab Ercole I. d'Este entstanden immer mehr und prächtigere Wohnräume, und nach einem Brand im Jahr 1544 ließ Ercole II. das Innere endgültig umgestalten.
Der Eintritt lohnt sich, wenn du die Este nicht nur von außen kennenlernen willst; plane etwa eine Stunde. Zur Kathedrale sind es danach nur 400 m, rund 5 Minuten.


















