Mausoleum des Theoderich
Du beginnst am Grab des Mannes, ohne den Ravenna nicht zu verstehen ist: Theoderich der Große, König der Ostgoten, der hier seinen Hof hielt. Um 520 ließ er das Grabmal auf dem Friedhof der gotischen Vorstadt errichten, noch zu Lebzeiten und vermutlich als Grablege für sich und die engsten Vertrauten seines Hofstaats. Der Bau gilt als herausragendste Bauleistung der Ostgoten in Italien. Wer ihn entworfen hat, weiß niemand, der Name des Baumeisters ist nicht überliefert.
Achte auf das Mauerwerk. Eine lateinische Schrift aus jener Zeit, der Anonymus Valesianus, beschreibt das Denkmal als aus behauenen Blöcken zusammengefügt; für den Abschluss habe der König eigens einen riesigen Stein suchen lassen. Ganz fertig wurde das Grabmal vor seinem Tod offenbar trotzdem nicht.
Dann kam der Umsturz. Theoderich war Arianer, und als 540 die Byzantiner unter General Belisar Ravenna eroberten, gewann der orthodox-katholische Klerus die Oberhand. Spuren des Königs und seines Glaubens wurden getilgt, wo es ging. Auch sein Sarkophag verschwand aus dem Mausoleum, als Grab eines „fluchwürdigen Ketzers“. Diesem Muster begegnest du auf dem Rundgang noch mehrmals.
Lange lag der Gruftraum durch Überschwemmungen halb verschüttet, erst 1918 und 1919 wurde er vollständig freigelegt. Bei den Grabungen in der Umgebung kamen antike Mauerreste zum Vorschein, darunter auch ein goldverzierter Brustharnisch. Der Innenbesuch kostet eigenen Eintritt und gehört nicht zum Kombiticket; er lohnt sich, wenn dich die Gotenzeit interessiert. Wer nur die Mosaiken sehen will, kann hier auch auslassen.
Vor dir liegt jetzt die längste Etappe des Tages: 1470 m, gut 20 Minuten bis San Vitale. Passend, denn dort begann der Kirchenbau noch unter Gotenherrschaft und wurde unter Byzanz vollendet.


















