Sedletz-Ossarium
Das Sedletz-Ossarium liegt unter der Friedhofskirche Allerheiligen im Vorort Sedlec, einst Teil eines Zisterzienserklosters. Von außen wirkt die kleine Kirche harmlos. Unten in der Kapelle liegen die Gebeine von schätzungsweise 40.000 und mehr Menschen, manche Zählungen kommen auf 70.000, und viele davon sind zu Schmuck und Einrichtung geworden. Über 200.000 Menschen kommen jedes Jahr hierher.
Schau zuerst nach oben: Mitten im Schiff hängt ein Kronleuchter aus Knochen, in dem jeder Knochen des menschlichen Körpers mindestens einmal vorkommt, und Girlanden aus Schädeln ziehen sich über das Gewölbe. In den vier Ecken stehen glockenförmige Knochenhügel. Am Altar entdeckst du Säulen und Monstranzen aus Gebeinen, an der Wand das Wappen der Schwarzenberger. Und neben dem Eingang hat sich der Mann verewigt, der vieles davon arrangiert hat: František Rint, mit einer Signatur, ebenfalls aus Knochen.
Die Geschichte beginnt 1278. König Ottokar II. schickte Abt Heinrich ins Heilige Land, und der brachte etwas Erde von Golgatha mit, die er über den Klosterfriedhof streute. Danach wollten Menschen aus ganz Mitteleuropa hier begraben werden. Pest im 14. Jahrhundert und Hussitenkriege im frühen 15. Jahrhundert füllten den Friedhof so sehr, dass er wachsen musste. Um 1400 entstand die gotische Kirche mit einer Unterkapelle für die Gebeine aus aufgelösten Gräbern. Nach 1511 soll ein halbblinder Mönch die Knochen aufgeschichtet haben, so die Legende. Den barocken Umbau von 1703 bis 1710 entwarf Jan Santini Aichel.
Hinein lohnt es sich für fast jeden, der nach Kuttenberg kommt, auch wenn Eintritt fällig ist; eine halbe Stunde reicht. Wer sensibel auf Gebeine reagiert, sollte wissen, dass hier wirklich nichts verhüllt ist.
Danach folgt die längste Etappe der Tour: 2840 Meter, 40 Minuten zu Fuß hinein in die Altstadt zu St. Jakob.
















