Burg Meersburg
Die Burg Meersburg sitzt auf einem Felssporn über der Unterstadt und liegt doch fast auf einer Höhe mit dem Rest der Stadt, rund 440 Meter über dem Meer. Sie gilt als eine der ältesten bewohnten Burgen Deutschlands. Ihr zweiter Name, Alte Burg, grenzt sie vom Neuen Schloss aus dem 18. Jahrhundert ab, das du später auf dieser Route besuchst. Ihr Kern ist der Dagobertturm, der zentrale Bergfried.
Wer den Turm gebaut hat, ist bis heute offen. Eine Überlieferung schreibt ihn dem Merowingerkönig Dagobert I. zu, der um 630 am Bodensee die Alamannen christianisieren ließ. Sie stützt sich auf eine Quelle von 1548, und eine Urkunde Friedrich Barbarossas vom 27. November 1155 behauptet sogar, Dagobert habe die Grenzen des Bistums Konstanz persönlich festgelegt. Ein prominenter Anhänger dieser Theorie war Joseph von Laßberg, der im 19. Jahrhundert selbst in der Burg wohnte.
Die Gegenthese ist nüchterner: Aus dem 7. Jahrhundert ist am Bodensee keine einzige Burggründung belegt, im 12. und frühen 13. Jahrhundert dagegen viele. Der Name Dagobert wäre dann erst nachträglich an den Turm gewandert. Sicher ist nur die Erwähnung als Merdesburch im Jahr 1113. Schau dir die Steine am Fuß des Turms an: große, grob behauene Quader, die nach Ansicht der Bauforschung in beide Epochen passen. Genau deshalb ist der Streit nicht entschieden.
Hinein lohnt sich, wenn dich Mittelalter und Wohngeschichte interessieren; die Burg ist der teuerste Eintritt des Tages, dafür hat sie das ganze Jahr geöffnet. Nimm dir gut eine Stunde. Ein Name lohnt sich zu merken: Laßbergs Schwägerin Annette von Droste-Hülshoff war hier oft zu Gast, und am Ende der Route steht ihr eigenes Haus. Von der Burg sind es 270 Meter und vier Minuten hinunter ans Wasser.


















