Stadtplatz
Du stehst im Zentrum von Steyr, auf einem Platz, der zu den besterhaltenen Altstadtensembles im deutschsprachigen Raum zählt. Achte zuerst auf seine Form: Er ist linsenförmig, im Norden schließt ihn die Enge ab, im Süden Pfarrgasse und Grünmarkt. Die Linse geht vermutlich auf einen alten Straßenverlauf und das Gelände zurück. Entstanden ist der Platz um die Mitte des 13. Jahrhunderts, als zwei ältere Siedlungskerne zusammenwuchsen, einer um die Burg Stirapurc und einer um die Stadtpfarrkirche.
Die Grundstücke sind bis heute mittelalterlich geschnitten, und hinter vielen barocken Fassaden steckt ein gotischer Kern. Am deutlichsten siehst du das am Sternhaus, Nummer 12: vorne eine prächtige Rokokofassade mit den fünf Sinnen, darunter gotische Kragsteine und ein gotisches Portal. Die linke Fassadenhälfte wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und originalgetreu wiederhergestellt; das spätgotische Nachbarhaus Nummer 14, das Café Stark, ging beim Bombardement am 24. Februar 1944 verloren. Beim Meditzhaus, Nummer 9, versteckt die barocke Front einen Arkadenhof aus der Renaissance.
Das Rokoko-Rathaus entstand ab 1765 nach Plänen von Johann Gotthard Hayberger und war 1778 fertig. Am südlichen Ende steht die Marienkirche, heute ein Barockbau aus der Zeit der Gegenreformation, in dessen Kongregationskapelle noch Gewölbe eines spätgotischen Vorgängers stecken. Der Leopoldibrunnen steht seit 1683 auf dem Platz. Das jüngste Haus ist die neugotische Sparkasse von 1900, für die zwei ältere Häuser abgerissen wurden, darunter das Reichlhaus.
Auch Franz Schubert hat am Stadtplatz gewohnt, eine Tafel erinnert daran. Das Bummerlhaus, das Wahrzeichen der Stadt, hebst du dir für später auf. Jetzt gehst du 260 m, gut vier Minuten, zur Stadtpfarrkirche Steyr, dem zweiten Kern, aus dem dieser Platz einmal zusammengewachsen ist.


















