Ledererturm
Du stehst vor dem letzten Turm, der von der mittelalterlichen Stadtbefestigung in Wels übrig ist. Er schließt den Stadtplatz im Westen ab, ist 37,7 Meter hoch und fast quadratisch im Grundriss. Zähl die Fenster: In den unteren drei Geschoßen hat jedes zwei, eines nach Westen, eines nach Osten. Im vierten Stock sitzt stattdessen das Uhrwerk, seit 1892 ein mechanisches, 1996 modernisiert. Schau auch auf den Schlussstein des Torbogens, dort steht die Jahreszahl 1618.
Den Namen verdankt der Turm den Lederern, die im Mittelalter in der heutigen Fabrikstraße und der Schwimmschulgasse arbeiteten. Erstmals erwähnt wird das Lederertor am 24. Juli 1326, und zwar ganz unheroisch: Zwei Welser Hausbesitzer legten vor Gericht ihren Streit darüber bei, wohin das Regenwasser abfließen sollte. Rechnungen aus dem späten 15. Jahrhundert belegen immer wieder Reparaturen an Bau und Dach.
1610 stand der Turm nach Kämpfen mit dem Passauer Kriegsvolk kurz vor dem Einsturz. Ab 1616 baute ihn der Linzer Maurermeister Marx Martin Spaz drei Jahre lang um und gab ihm die Gestalt, die du heute siehst. Nur das Dach ist jünger: Beim Stadtbrand 1771 verbrannte der Zwiebelhelm, seither trägt der Turm ein Zeltdach.
Dass er überhaupt noch steht, ist Glück. Seine Brüder fielen dem Verkehr zum Opfer: der Traunturm 1842, der Fischerturm 1870, der Schmidtturm 1875. 1904 wurde auch für den Ledererturm der Abbruch beantragt. Bürger und Kunstkenner protestierten, Zuschüsse von Unterrichtsministerium und Bezirkshauptmannschaft retteten ihn. Geh durch den Torbogen, nach 80 m und einer Minute bist du mitten auf dem Stadtplatz.












