Waltherplatz
Hier beginnt Bozen, wie es sich selbst gern sieht: Der Waltherplatz gilt als die „gute Stube“ der Stadt, als ihr gesellschaftlicher Mittelpunkt. In der Mitte steht das Denkmal für den Dichter Walther von der Vogelweide, 3,30 Meter hoch, von Heinrich Natter aus weißem Laaser Marmor geschaffen. Rund um den Platz lohnt ein langsamer Blick: im Süden der Dom, im Norden und Westen das Palais Menz, das Palais Campofranco und das Stadthotel, das die Brüder Alois und Gustav Ludwig 1912/13 errichteten, im Osten das Hotel Greif, das früher Schwarzer Greif hieß.
Dass hier überhaupt ein Platz ist, ist jünger, als man denkt. Im Mittelalter lag diese Fläche am Stadtrand, südlich der Stadtmauer. Auf den Stadtansichten von Ludwig Pfendter aus dem Jahr 1607 und von Matthäus Merian aus dem Jahr 1649 ist an dieser Stelle ein ummauerter Weinberg zu sehen. Erst 1808 verkaufte der bayerische König Maximilian das Weingut an die Stadt, die darauf einen Platz anlegte und ihn zunächst Maximilianplatz nannte. Er diente auch als Aufmarschplatz für Truppen.
Als Tirol nach dem Wiener Kongress wieder zu Österreich kam, wurde aus dem Maximilianplatz der Johannsplatz, benannt nach Erzherzog Johann. Seinen heutigen Namen bekam er erst durch das Denkmal: Am 15. September 1889 wurde die Walther-Statue mit einem großen Fest enthüllt. Sie war ein politisches Zeichen der deutschliberalen Bürgerschaft in der späten Habsburgermonarchie, die sich über Sprache und Kultur definierte. Ab 1908 hielt hier außerdem die Rittner Bahn an ihrer Endstation.
Übers Jahr ist der Platz Bühne für Christkindlmarkt, Südtirol Jazzfestival und den Silvesterlauf BOclassic. Für deinen Rundgang reicht eine Viertelstunde: einmal um das Denkmal, dann zur Südseite des Platzes. Dort steht schon der Dom, gerade 100 Meter und eine Minute entfernt.












