Dom zu Halberstadt
Der Dom zu Halberstadt ist ein Anfang, der es dir leicht macht: eine kreuzförmige Basilika, geweiht St. Stephanus und St. Sixtus, zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert im Stil der nordfranzösischen Gotik errichtet. In Deutschland gibt es nur wenige große Kirchen, die so klar dem französischen Kathedralschema folgen. Achte darauf, wenn du hineingehst: Hier wollte man bauen wie in Frankreich.
Die Vorgeschichte reicht weit zurück. Das Bistum Halberstadt entstand im 9. Jahrhundert als Missions- und Verwaltungszentrum im eben eroberten Gebiet der Sachsen. Auf kleinere Steinbauten folgte eine karolingische Basilika, 859 geweiht, die 965 einstürzte. Man begann sofort neu, und der ottonische Dom, 992 geweiht, hatte schon fast die Ausmaße des heutigen Baus. Als Heinrich der Löwe 1179 die Stadt zerstören ließ, wurde die Kathedrale schwer beschädigt, rasch wiederhergestellt und 1220 erneut geweiht.
Ein Nachbar spielt in dieser Geschichte immer mit: Magdeburg. Otto I. richtete dort 968 ein Erzbistum ein, auf Kosten der Diözesen Halberstadt und Merseburg, und 1209 begann man in Magdeburg einen Dom, der stark von der französischen Kathedralgotik geprägt war. Später kam die Reformation: 1591 wurde der Dom protestantisch, das Domkapitel blieb aber gemischt konfessionell. Nach der Aufhebung des Kapitels ist er seit 1810 evangelische Pfarrkirche.
Der Kirchenraum kostet nichts, der Domschatz dagegen Eintritt, und er ist der Grund für einen längeren Halt: Altarretabel, Goldschmiedearbeiten und Reliquiare, kirchliches Gerät, Gewänder und Textilien, Möbel und liturgische Handschriften, alles aus dem Mittelalter und alles aus diesem Dom. Zusammen mit der Ausstattung der Kirche gilt das als größtes mittelalterliches Ensemble, das außerhalb des Vatikans noch am Ort seines Gebrauchs steht. Wer Kunsthandwerk oder alte Textilien mag, plant hier gut eine Stunde ein; wer vor allem Architektur sucht, kommt mit dem freien Kirchenraum aus.
Gleich am Start liegt außerdem das Museum Heineanum. Zum Gleimhaus sind es nur 80 Meter, eine Minute: Es steht hinter dem Chor des Doms.














