Schloss Wolfenbüttel
Vor dir liegt eine weitläufige Vierflügelanlage, die als Wasserburg begann und heute das zweitgrößte erhaltene Schloss Niedersachsens ist. Zwischen 1432 und 1753 war sie Hauptresidenz der Herzöge des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel. Heute teilen sich ein Gymnasium, die Bundesakademie für Kulturelle Bildung und ein Museum mit den historischen Räumen das Gebäude: ein Schloss, in dem nach wie vor Alltag stattfindet.
Die Geschichte reicht weit zurück. 1074 taucht der Ort erstmals auf, damals eine Befestigung an der Oker, errichtet von Widekind von Wolfenbüttel. In den Okersümpfen gab es schon eine kleine Siedlung namens Wulferisbuttle, an einem Handelsweg zwischen Rhein und Elbe und zwischen den Bistümern Halberstadt und Hildesheim, auf dem Kaufleute und pilgernde Mönche unterwegs waren.
Ruhig blieb es selten. 1191 ließ Heinrich der Löwe, Oberhaupt der Welfen und Schwager von Richard Löwenherz, die Burg zerstören. Wieder aufgebaut, fiel sie 1255 erneut: Gunzelin von Wolfenbüttel hatte Albrecht I. von Braunschweig den Treueeid verweigert. Albrecht zerstörte die Burg und vertrieb nach dreijähriger Belagerung 1258 auch Gunzelins Sohn Burchard von der nahen Asseburg. 1283 baute Heinrich I. von Braunschweig-Grubenhagen neu; Grundriss, Wassergraben und die unteren Geschosse samt Verlies des Bergfrieds stammen aus seiner Zeit.
1542 eroberte und zerstörte der Schmalkaldische Bund die Anlage. Erst 1553 begann Herzog Heinrich der Jüngere mit einer neuen Residenz und ließ den alten Turm zur Schlosskapelle umbauen; 1575 kamen Innenhöfe mit Arkaden im italienischen Stil dazu. Auch Musik gehört zur Geschichte des Hauses: Ab 1595 lebte der protestantische Komponist Michael Praetorius als Privatsekretär von Herzog Heinrich Julius im Schloss und spielte als Hoforganist die 1596 vollendete Schlossorgel.
Hinein lohnt sich, wenn dich Residenzleben und historische Räume interessieren; das Schlossmuseum kostet Eintritt. Ringsum stehen weitere historische Bauten wie Zeughaus und Kleines Schloss. Zum Bürgermuseum sind es 260 Meter, etwa 4 Minuten zu Fuß.
















