Rathaus Wernigerode
Du stehst auf dem Marktplatz vor dem Rathaus Wernigerode, Marktplatz 1, auf der Südseite des Platzes; gleich daneben beginnt die Marktstraße. Schau zuerst auf die zwei schlanken Erker, die den Eingang einrahmen. Sie ruhen auf freistehenden Ständern, ragen mit je einem verschieferten Geschoss über die Traufe hinaus, tragen kleine Giebelchen und laufen in sehr spitze Dächer aus wie zwei Türmchen.
Dann der Blick aufs Fachwerk: Das obere Geschoss kragt etwa 50 Zentimeter über das massive Erdgeschoss vor und ist aus mächtigen Balken gefügt. Gegen die Senkrechte der Türme setzt eine dichte Reihe geschwungener Andreaskreuze eine waagerechte Linie, oben begrenzt von einem kräftigen Brustriegel. Nimm dir Zeit für die Figuren an den Knaggen: unten Heilige, unter dem Dach Spielleute, Narren, Trinker und Moriskentänzer mit der Maikönigin. Auch die Balkenköpfe sind beschnitzt. Eine Inschrift an der Schwelle nennt den Zimmermeister Thomas Hilleborch, der den Bau vollendete.
Angefangen hat alles um 1420 mit Graf Heinrich, der hier auf dem Weinkeller ein gräfliches Spielhaus errichten ließ, das Spelhus. Darauf verweist noch die Inschrift im Wappen über dem Hauptportal. 1427 schenkte er das Haus der Stadt, die es weiter als Spielhaus nutzte: Zur Fastnacht wurde hier gefeiert, außerdem diente es als Handels- und Gerichtsort. Die Fassade, die du heute siehst, entstand zwischen 1494 und 1498, im niedersächsischen Stil mit Zügen der fränkisch-hessischen Bauweise. Drinnen lag ein Festsaal für die Bürgerschaft. Als 1528 ein Stadtbrand das alte Rathaus in der Nähe zerstörte, blieb dieser Bau.
Die Fassade ist frei und jederzeit zu sehen, hinein kommst du nur mit einer Führung. Für die meisten reicht der Blick von außen, wer Fachwerk liebt, sollte die Figuren aus der Nähe ansehen. Zum Harzmuseum sind es dann nur 90 m, eine Minute zu Fuß; dort tauchen Rathaus und Fachwerk gleich wieder auf.












