Bischofsburg Arensburg
Die Bischofsburg Arensburg, auf Estnisch Kuressaare piiskopilinnus, auf Deutsch auch Schloss Arensburg, ist der Grund, warum die meisten nach Kuressaare kommen. Rundherum liegen Wallgraben und Park, und genau so solltest du sie zuerst sehen: als Festung, die über Jahrhunderte immer wieder verstärkt wurde. Erstmals schriftlich erwähnt wird sie in den 1380er Jahren, als der Deutsche Orden sie für die Bischöfe von Ösel-Wiek zu bauen begann. Manche Überlieferungen sprechen von einer ersten Burg aus Holz.
Gebaut wurde sie nicht zur Zierde. Die Menschen auf Saaremaa wehrten sich hartnäckig gegen die Christianisierung von außen, und die Burg war Teil des Versuchs der Kreuzfahrer, die Insel unter Kontrolle zu bringen. Sie blieb eine der wichtigsten Burgen des Bistums, bis es im Livländischen Krieg aufgelöst wurde. 1559 übernahm Dänemark-Norwegen Insel und Burg und modernisierte die Befestigungen; nach dem Frieden von Brömsebro 1645 kam Saaremaa an Schweden, das bis 1706 weiter ausbaute.
Nach dem Großen Nordischen Krieg gehörte die Burg zum Russischen Reich, und je weiter dessen Grenzen nach Westen rückten, desto weniger zählte sie. 1836, nach dem Bau der Festung Bomarsund auf Åland, zog die russische Garnison ab; im Krimkrieg spielte Kuressaare keine Rolle mehr. Im 19. Jahrhundert diente die Burg als Armenhaus, zwischen 1904 und 1912 restaurierten die Architekten Karl Rudolf Hermann Seuberlich und Wilhelm Neumann sie.
Der Burghof hat auch eine dunkle Seite: 1941 richteten sowjetische Besatzungstruppen hier 90 Zivilisten hin, unter der folgenden deutschen Besatzung wurden auf dem Gelände über 300 Menschen getötet. Wer durch den Hof geht, darf das wissen.
Hinein lohnt sich, wenn dich Festungsbau und Inselgeschichte interessieren; plane rund anderthalb Stunden ein. Die Burg kostet Eintritt, kleine Kinder kommen kostenlos hinein. Am Start liegt auch das Saaremaa Museum. Danach sind es 510 m und 7 Minuten in den Park, der die Festung umschließt.
















