Dicke Margarethe
Schau dir zuerst die Proportionen an: Die Dicke Margarethe ist breiter als hoch, für einen Turm ungewöhnlich. Rund 24 Meter misst sie im Durchmesser, etwa 20 Meter in der Höhe, und ihre Mauern sind ungefähr fünf Meter dick. Sie steht am nördlichsten Punkt der Altstadt am Ende der Langstraße, estnisch Pikk; unmittelbar westlich schließt das Stadttor Große Strandpforte an, etwas südlich steht der Stolting-Turm.
Gebaut wurde sie ab 1510 oder 1511, fertig war sie 1529 oder 1530. Die Waffentechnik hatte sich verbessert, also rüstete Reval seine Befestigung auf: Der Geschützturm sollte die Stadt gegen Angriffe von der nahen Ostsee schützen und wohl auch alle beeindrucken, die vom Meer her ankamen. Neu war, dass schon das erste ihrer vier Stockwerke Schießscharten hatte. Später diente der Turm als Arsenal und zwölf Jahre lang als Gefängnis, bis er ausbrannte. Woher der Name Margarethe kommt, weiß übrigens niemand genau.
Dass du heute vor einem sanierten Turm stehst, hat mit Olympia zu tun. Als 1974 feststand, dass die Sommerspiele 1980 in Moskau stattfinden und die Segelwettbewerbe in Tallinn, ließ man historische Bauten der Altstadt herrichten, darunter Turm und Strandpforte. Ab 1978 arbeitete die polnische Firma Budimex daran, mit Verzögerungen; das Seefahrtsmuseum, seit 1965 schon in einem Nebengebäude, öffnete im Turm am 27. April 1981.
Hinein lohnt sich vor allem, wenn dich Seefahrt und Festungsbau interessieren; vom Dach aus hast du Aussicht, in den Sommermonaten gibt es dort ein Café. Wer die Altstadt in den Vordergrund stellt, bleibt draußen und spart Zeit. Zur Olaikirche sind es 260 m, etwa vier Minuten.
























