Hermannsfeste
Du stehst vor einer Burg, die ihren mittelalterlichen Grundriss fast vollständig bewahrt hat: massive Flügel um einen Innenhof, darüber der Hermannsturm. Achte auf die großen Vorhöfe. Der westliche wurde Mitte des 14. Jahrhunderts angelegt, damit die Bürger sich im Krieg dorthin flüchten konnten, denn unter dänischer Herrschaft hatte Narva keine Stadtmauer.
Die Geschichte beginnt mit Dänemark. Nach der Eroberung Nordestlands errichteten die Dänen Mitte des 13. Jahrhunderts eine Grenzfeste aus Holz, dort, wo eine alte Straße den Fluss Narva kreuzte. 1256 wird sie erstmals schriftlich erwähnt. In ihrem Schutz wuchs die Siedlung zur Stadt, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts das Lübecker Stadtrecht erhielt. Nach Konflikten mit Nowgorod und Pskow begann man Anfang des 14. Jahrhunderts mit dem Bau in Stein: zunächst ein kleines Kastell mit 40 Meter langen Seiten und einem Turm, dem Vorläufer des heutigen Hermannsturms.
1346 verkaufte König Waldemar IV. Nordestland samt Narva an den Livländischen Orden, der die Burg zum Konventshaus umbaute. Den Hermannsturm vollendete der Orden erst, als Moskau 1492 am gegenüberliegenden Flussufer die Festung Iwangorod errichtete. Zwei Burgen, die sich über das Wasser hinweg anschauen: Das ist der Moment, für den man nach Narva kommt. Die Mauer, die der Orden um die Stadt zog, existiert nicht mehr; 1777 wurde ihr Abriss angeordnet.
Der Innenbesuch kostet Eintritt und lohnt sich, wenn dich mittelalterliche Wehrbauten interessieren; nimm dir etwa anderthalb Stunden. Danach sind es nur 160 m, gut 2 Minuten, hinunter an den Fluss.














