Château Saint-Maire
Vor dir steht ein mächtiger Würfel aus grauer Molasse, oben aufgesetzt rote Stockwerke aus Ziegelstein mit Maschikuli und kleinen Ecktürmchen. Schau dir den oberen Rand genau an: Die Zinnen sind gespalten. Diese Mischung aus Stein und Backstein ist typisch für das Aostatal, und das hat einen Grund.
Bauherr war Bischof Guillaume de Menthonay, der zwischen 1397 und 1406 Wohnsitz und Festung in einem errichten ließ, so wie es damals üblich war; die Schlösser Vufflens und Blonay im Waadtland folgen demselben Prinzip. Fertig sah er sein Schloss nie: 1406 erstach ihn sein eigener Kammermeister. Vollendet hat den Bau sein Nachfolger Guillaume de Challant, Spross einer alten Adelsfamilie aus dem Aostatal, daher der Stil.
Die Mauern hielten, als sich 1482 die Bürger gegen ihren Bischof erhoben. Gegen Bern half das nichts: Im März 1536 eroberten die Berner unter Hans Franz Nägeli das Waadtland, der letzte Bischof Sébastien de Montfalcon floh, und Berner Landvögte zogen ein. Einer von ihnen ließ 1789 zwei Stockwerke anbauen, um mehr Platz und Licht zu haben. 1798 musste der letzte Landvogt Ludwig von Büren gehen, und seit 1811 regiert hier die Waadtländer Kantonsregierung.
Genau deshalb bleibt das Innere verschlossen: Das Schloss ist Regierungssitz, du siehst es nur von außen, dafür jederzeit von der Place du Château. Von hier sind es 230 Meter, rund drei Minuten, zur Kathedrale, dem zweiten Machtzentrum der alten Bischofsstadt.






















