Stachus
Offiziell heißt der Platz Karlsplatz, aber kein Münchner sagt das. Rund um dich schwingt das neobarocke Stachus-Rondell im Halbkreis, zwischen 1899 und 1901 nach Plänen von Gabriel von Seidl gebaut. Und mitten hindurch rollt der Verkehr: 2022 waren es täglich 41.000 Fahrzeuge. Schau nach Osten, dort schließt ein Tor mit zwei Seitentürmen den Platz ab.
Dieses Tor ist der Rest des Neuhauser Tors. Hier führte im Mittelalter die Salzstraße entlang, die Heinrich der Löwe von Föhring nach München verlegt hatte; ihr verdankt die Stadt ihre Existenz und ihren Wohlstand. Mit der zweiten Stadtmauer entstand im 13. Jahrhundert das Tor, 1302 erstmals erwähnt und nach dem nächsten Ort an der Straße benannt. Das Vortor mit den beiden Flankentürmen kam im 15. Jahrhundert dazu, ebenso ein rundes Vorwerk, dessen Fundamente erst beim Bau der S-Bahn-Stammstrecke unter dem Platz wieder auftauchten.
Im 17. Jahrhundert stand hier eine Bastion des Festungswalls. 1791 erhielt Benjamin Thompson von Kurfürst Karl Theodor den Auftrag, sie zu schleifen: der Anfang vom Ende der Münchner Stadtbefestigung.
Und der Name? An der Ecke Sonnenstraße und Bayerstraße schenkte seit 1710 die Familie Föderl Bier aus. Ab 1728 ist ein Mathias Eustachius Föderl als Wirt verzeichnet, genannt „Eustach“. Seine Wirtschaft hieß bald „Stachus“, und der Name blieb am ganzen Platz hängen, lange nachdem andere Wirte übernommen hatten. Geh jetzt durch das Tor in die Altstadt: 720 m, etwa 9 Minuten, dann stehst du vor den zwei Türmen der Frauenkirche.
























