Piazza del Campo
Hier beginnt alles, und hier kommt in Siena alles wieder an. Die Piazza del Campo liegt an einem Hang und hat die Form einer Jakobsmuschel; sie fällt sanft zum Palazzo Pubblico und seinem Turm ab, rundherum stehen die Paläste der vornehmen Familien. Am Rand des Platzes findest du die Fonte Gaia, den Stadtbrunnen. Achte auf das Pflaster: Seit 1349 ist der Platz vollständig belegt, acht helle Linien teilen ihn in neun Felder. Neun Mitglieder hatte damals auch der Rat, der vom Palazzo Pubblico aus regierte.
Entstanden ist der Campo schon vor dem 13. Jahrhundert, an der Stelle, wo drei Hügelgemeinden zu einer Stadt zusammenwuchsen: Castellare, San Martino und Camollia. Hier traf man sich, hier war Markt, hier gab es Spiele, Kämpfe und Rennen. Ein römisches Forum lag an dieser Stelle übrigens nicht, auch wenn man das oft hört.
Im Mittelalter war Siena ein reicher, selbstverwalteter Stadtstaat und der große Rivale von Florenz. 1260 schlugen die Sienesen die Florentiner bei Montaperti. Der Sieg hatte einen Preis: Florenz war mit dem Papst verbündet, Siena wurde mit dem Kirchenbann belegt, und Handel und Wohlstand litten. Erst 1270 kehrte Frieden ein. Danach wurde Bürgerstolz zur Leitidee, und der Campo wurde zum gebauten Bekenntnis einer Stadt, die sich selbst regiert.
Zweimal im Jahr donnern beim Palio die Pferde um den Rand des Platzes, und auch das Radrennen Strade Bianche endet hier. Seit 1995 gehört die Altstadt zum UNESCO-Welterbe, weil ihre mittelalterliche Stadtplanung so geschlossen erhalten ist. Der Campo ist frei und jederzeit zugänglich: Setz dich ruhig einen Moment auf das Pflaster und lass den Platz wirken.
Zum Eingang des Palazzo Pubblico sind es nur 90 Meter, eine Minute zu Fuß.


















