Nationalpalast von Sintra
Mitten im Ort steht der Bau, mit dem alles anfängt: der Nationalpalast von Sintra, den man auch Palácio da Vila nennt, den Stadtpalast. Er gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Königsresidenz Portugals, und das hat einen einfachen Grund: Seit dem frühen 15. Jahrhundert wohnten hier fast ohne Unterbrechung Könige und ihr Hof, und das blieb so, bis das 19. Jahrhundert zu Ende ging. Heute ist er ein Museum und Teil der Kulturlandschaft von Sintra, die zum UNESCO-Welterbe gehört.
Die Geschichte reicht noch weiter zurück. In maurischer Zeit gab es in Sintra zwei Burgen: oben auf dem Berg die heutige Maurenburg, unten im Ort den Sitz der Herrscher der Taifa von Lissabon, genau hier. Schon der arabische Geograf Al-Bakri erwähnt ihn. Im 12. Jahrhundert eroberte König Afonso Henriques den Ort und nahm den Palast für sich. Sehen wirst du aus dieser Zeit allerdings nichts: Von den Mauren und den ersten portugiesischen Königen ist kein Stein erhalten.
Was vor dir steht, ist eine Mischung aus Gotik, Manuelinik, maurischen und Mudéjar-Formen, entstanden vor allem in großen Bauphasen des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Den Anstoß gab König João I., der um 1415 kräftig bauen ließ; auf ihn geht ein großer Teil des Palasts zurück.
Lohnt sich der Innenbesuch? Ja, schon wegen der Königlichen Kapelle, dem ältesten erhaltenen Teil, vielleicht unter König Dinis I. im frühen 14. Jahrhundert entstanden. Schau auf den Boden: In der Apsis sind die Fliesen so gelegt, dass sie wie ein Teppich wirken. Die Wände sind in Quadraten bemalt, die Fliesen nur vortäuschen, und darauf schwebt der Heilige Geist als Taube herab. Oben schließt eine Holzdecke mit geometrischem maurischem Gitterwerk den Raum. Wer Architektur und Königsgeschichte mag, plant hier eine gute Stunde ein; das Ticket gilt für Palast und Gärten.
Von hier sind es 830 m, rund 12 Minuten zu Fuß, zur Quinta da Regaleira. Du springst dabei fast fünf Jahrhunderte nach vorn: vom Hof der Könige in den Traum eines Millionärs.










