Stralsunder Rathaus
Du stehst am Alten Markt, und vor dir erhebt sich das Stralsunder Rathaus, ein Wahrzeichen der Stadt und einer der bedeutendsten weltlichen Bauten im Ostseeraum. Schau zuerst auf die Schaufassade zur Marktseite: Sie wurde dem Bau vorgeblendet und war einst reich mit Figuren und Wappen geschmückt. Darunter waren die Wappen der Fürsten, die Stralsund 1316 besiegt hatte, etwa Erich von Lüneburg und Albrecht von Obersachsen. Eine Fassade als Siegesbotschaft in Backstein.
Die Anfänge reichen weit zurück. Um 1230 entstand ein erster Bau, 1234 erhielt Stralsund das Stadtrecht, und nach 1300 begann der Bau im Stil der norddeutschen Backsteingotik, den du heute siehst. Zunächst war das Haus vor allem Handelsplatz: Tuchhaus für teure Stoffe aus Belgien und Kaufhaus, wie die Flügelbauten noch zeigen. Im 14. Jahrhundert kamen Sitzungsräume für den Rat und ein großer Saal dazu, und weil bis ins 19. Jahrhundert weiter umgebaut wurde, ist das Rathaus heute ein Mix verschiedener Stile.
Unter deinen Füßen liegt eine Besonderheit: der Ratskeller, entstanden als ein einziger Lagerraum mit 1400 Quadratmetern, der größte zusammenhängende Keller Nordeuropas. Kaufleute und Ratsherren ließen ihre Waren über Rutschen direkt vom Alten Markt hinunter. Später lagerten hier Tuche und Wein, sogar aus Mâcon in Frankreich. Schon die ersten Einträge im Stadtbuch, zwischen 1271 und 1278, betreffen zum Teil die Vermietung dieses Kellers. Sein Rippengewölbe folgt dem Vorbild des Kampischen Hofs, ein Baustil, den Zisterziensermönche in den Norden gebracht hatten.
Das Innere ist für Besucher geschlossen, die Außenansicht dagegen jederzeit frei. Nimm dir also Zeit für die Fassade und den Platz, denn das Rathaus steht im Kern des UNESCO-Welterbes. Von hier sind es nur 160 m und 2 Minuten zur Nikolaikirche, die von Anfang an zusammen mit dem Rathaus geplant wurde.
















