Schweriner Schloss
Vor dir liegt das Schweriner Schloss auf seiner Insel im Schweriner See, ein Bau voller Türmchen, Kuppeln und Zierformen, den man nicht umsonst das „Neuschwanstein des Nordens“ nennt. Was du siehst, ist größtenteils ein Werk des 19. Jahrhunderts: Zwischen 1845 und 1857 arbeiteten hier gleich vier namhafte Architekten des Historismus zusammen, Gottfried Semper, Friedrich August Stüler, Georg Adolf Demmler und Ernst Friedrich Zwirner. Das Schloss gilt als eines der bedeutendsten Werke des romantischen Historismus in Europa und ist seit 2024 UNESCO-Welterbe.
Die Geschichte des Ortes ist viel älter. Schon um 973 stand auf der Insel eine Burg der Obotriten, eines slawischen Stammes. 1160 rückten deutsche Adlige unter Heinrich dem Löwen vor; der Obotritenfürst Niklot zerstörte seine Burg lieber selbst und zog ab. Die Eroberer erkannten sofort, wie günstig und reizvoll die Insel lag, und begannen eine neue Festung. Im selben Jahr wurde die Stadt Schwerin gegründet und bald Bischofssitz.
Die Wendung danach ist bemerkenswert: 1167 gab Heinrich die Grafschaft Schwerin seinem Vasallen Gunzelin von Hagen, das übrige Land aber bekam Niklots Sohn Pribislaw zurück. Aus ihm ging eine Herzogsfamilie hervor, die bis 1918 regierte und über Jahrhunderte hier residierte. Von den Bauten vor dem 19. Jahrhundert ist allerdings nur wenig erhalten.
Heute tagt in Teilen des Schlosses der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, in anderen sind das Schlossmuseum, ein Restaurant und Veranstaltungen untergebracht, im Sommer etwa Freilichttheater im Innenhof. Der Innenbesuch kostet Eintritt und lohnt sich vor allem, wenn dich Fürstenräume und Baukunst des 19. Jahrhunderts interessieren; wer nur wenig Zeit hat, genießt die Fassaden von außen.
Über die Schlossbrücke verlässt du die Insel. Nach 420 m, etwa 6 Minuten, stehst du vor dem Staatlichen Museum.
















