Schlosskirche Wittenberg
Hier beginnt die Geschichte, wegen der die meisten Menschen nach Wittenberg kommen. An der Allerheiligenkirche, die alle nur Schlosskirche nennen, um sie von der Stadtkirche zu unterscheiden, soll Martin Luther 1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben. So berichtet es Philipp Melanchthon, und mit diesem Ereignis verbindet die Welt den Beginn der Reformation.
Die Kirche ist älter als die Thesen. Schon um 1340 ließ der askanische Herzog Rudolf I. an seiner neuen Residenz eine Allerheiligenkapelle bauen, geweiht am 6. Mai 1346 und direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt. Den Bau, den du heute siehst, gab Kurfürst Friedrich der Weise in Auftrag, als er die alte Burg zum Residenzschloss umbauen ließ. Der Baumeister Conrad Pflüger errichtete ihn zwischen 1490 und 1511 im spätgotischen Stil, geweiht wurde die Kirche schon am 17. Januar 1503. Für Schloss und Kirche arbeiteten Künstler wie Tilman Riemenschneider, Jacopo de' Barbari und Albrecht Dürer.
1502 gründete Friedrich die Universität Leucorea, und die Schlosskirche wurde ihre Universitätskirche: ein Ort für Gottesdienst und Gelehrsamkeit zugleich. Genau in dieser Mischung aus Hof, Hochschule und Kirche konnte ein Theologieprofessor wie Luther seine Thesen zur Diskussion stellen.
Ab 1883 wurde die Kirche zur Gedenkstätte der Reformation umgestaltet und am 31. Oktober 1892 neu eingeweiht, auf den Tag 375 Jahre nach dem Thesenanschlag. Seit 1996 gehört sie zum UNESCO-Welterbe. Hinein geht es gegen einen kleinen Erhaltungsbeitrag, und das lohnt sich für jeden, der wegen Luther hier ist. Auch auf den Turm kommst du gegen eigenen Beitrag. Planst du auch die Stadtkirche innen, nimm gleich das Kombiticket für beide Kirchen.
Vom Schloss aus sind es 310 m, rund 4 Minuten, zum Haus der Geschichte, wo du für eine Weile aus dem 16. ins 20. Jahrhundert springst.




















