Altes Rathaus
Du stehst auf dem Markt, und die ganze Ostseite gehört einem einzigen Haus. Das Alte Rathaus gilt als einer der bedeutendsten weltlichen Renaissancebauten Deutschlands. Seine Wirkung kommt aus Länge, Farbe und Proportion: nur zwei Geschosse, aber mehr als 90 Meter lang, darüber ein steiles Dach, dessen Traufe so tief sitzt, dass es kräftig zur Höhe beiträgt. Die Reihe der Zwerchhäuser, sechs zum Markt, sieben zur Rückseite, zieht den Blick wieder in die Waagerechte.
Achte auf die Farben, es sind nur zwei: der warme Ton des Rochlitzer Porphyrs und ein passendes Beige oder Ocker im Putz. Die steinernen Arkaden zur Marktseite kamen erst zwischen 1906 und 1909 dazu und ziehen eine weitere lange Linie. Unterbrochen wird das Ganze vom achteckigen Turm neben dem Hauptportal. Durch dieses Portal kommst du vom Markt hinüber auf den Naschmarkt.
Am Portal tragen zwei ionische Säulen, daneben sitzen sogenannte Gaffköpfe, die die Baumeister darstellen sollen. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt steinerne Kastenerker an den Giebelseiten, verzierte Schlusssteine, Zierbrunnen und Gedenktafeln. Das älteste Stück ist ein Fensterpfosten an der Südseite, datiert auf 1230, vermutlich ein Rest eines Wohnturms, der hier vorher stand. Und trotz aller Symmetrie steckt der Bau voller kleiner Unregelmäßigkeiten, die man erst beim zweiten Blick bemerkt.
Regiert wird hier längst nicht mehr: Bürgermeister und Verwaltung sind 1905 ins Neue Rathaus gezogen, das du später auf der Route siehst. Das Haus kostet keinen Eintritt, ein kurzer Blick hinein passt also in jeden Plan.
Zur Mädlerpassage sind es nur 110 Meter, eine Minute zu Fuß, vorbei am Zeitgeschichtlichen Forum.






















