Basilika Saint-Michel
Zwei Bauwerke gehören hier zusammen: die Kirche im verspielten Flamboyant-Stil der Spätgotik und daneben, ganz frei stehend, ihr Glockenturm. Mit 114 Metern ist er der höchste Turm Südfrankreichs und der vierthöchste im ganzen Land, nur die Turmspitzen der Kathedralen von Rouen, Straßburg und Chartres ragen höher. Einen solchen eigenständigen Campanile hat in Bordeaux sonst nur die Kathedrale Saint-André, die dir später auf dem Weg begegnet.
Die Vorgängerkirche stand außerhalb der Stadtmauern. Erst als im 14. Jahrhundert die dritte Mauer gebaut wurde und sie einschloss, wuchs hier ein Viertel der Händler und Handwerker, der Zimmerleute und der Fassbinder. Um 1330 begann der Neubau, doch Hundertjähriger Krieg, die Pest von 1348 und Überschwemmungen bremsten ihn über Jahrzehnte. Erst 1430 stand die Hallenkirche, und weil Flamboyant gerade in Mode war, ließ der Pfarrrat das Mittelschiff erhöhen. Ludwig XI., der sein Königreich unter den Schutz des Erzengels Michael gestellt hatte, spendete bei seinem Besuch 1462 großzügig.
Unter dem Turm liegt eine Krypta mit einer makabren Vergangenheit: Sie diente lange als Beinhaus und später als Schauraum für „Mumien“, die man im 19. Jahrhundert ausgrub, als der alte Pfarrfriedhof zur Place Meynard umgestaltet wurde. Seit 1903 ist Saint-Michel Basilika, seit 1998 gehört sie als Station der Jakobswege in Frankreich zum UNESCO-Welterbe.
Die Kirche kostet keinen Eintritt; eine halbe Stunde drinnen lohnt sich für alle, die gotische Gewölbe mögen. Danach sind es 760 m und 11 Minuten zum Pont de pierre an der Garonne.
















