Hamburger Rathaus
Du stehst am Rathausmarkt vor dem Haus, in dem Hamburg regiert wird. Weil die Stadt zugleich ein Bundesland ist, tagt hier eines der 16 Landesparlamente Deutschlands, dazu der Senat, und der Erste Bürgermeister hat hier sein Büro. Außen zeigt sich der Bau in Neorenaissance. Das grüne Dach ist Kupfer, das mit Kohlendioxid und Wasser reagiert hat; die Patina verrät das Alter des Gebäudes. Es gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Bauten des Historismus in Hamburg.
Das alte Rathaus brannte beim großen Brand von 1842 ab, und es dauerte fast 44 Jahre, bis ein neues entstand. Sieben Architekten unter der Leitung von Martin Haller entwarfen es, 1886 begann der Bau, 1897 wurde eingeweiht. Am 26. Oktober 1897 nahm der Erste Bürgermeister Johannes Versmann den Schlüssel entgegen. Die Kosten lagen bei 11 Millionen Goldmark, umgerechnet etwa 80 Millionen Euro.
Offiziell zählt das Haus 647 Räume, sicher ist das nicht: 1971 entdeckte man im Turm zufällig einen Raum, als jemand ein hinter einen Aktenschrank gefallenes Dokument suchte. Auch der Platz vor dir hat viel gesehen. Kaiser Haile Selassie, 1955 der Schah Mohammad Reza Pahlavi und 1965 Queen Elizabeth II. kamen zu Besuch, nach der Sturmflut von 1962 trauerte die Stadt hier um ihre Opfer, und der HSV feierte hier seine Meistertitel, zuletzt 1983.
Innen gibt der Bau die Neorenaissance auf und mischt verschiedene historische Stilelemente. Die Räume siehst du nur mit einer Führung; wer Architektur oder Politik mag, sollte sie einplanen, allen anderen reicht der Blick auf die Fassade. Dann geht es 710 Meter und zehn Minuten weiter ins Kontorhausviertel, wo der Brand von 1842 ebenfalls Spuren hinterlassen hat.




















