Karl-Marx-Monument
Du stehst vor einem Kopf, der 7,1 Meter hoch ist und mit Sockel über 13 Meter erreicht. Rund vierzig Tonnen wiegt die stilisierte Büste von Karl Marx an der Brückenstraße, nahe der Kreuzung zur Straße der Nationen. Nur der Lenin-Kopf im sibirischen Ulan-Ude ist größer, um gerade einmal 60 Zentimeter; damit ist das Karl-Marx-Monument die zweitgrößte Porträtbüste der Welt und das bekannteste Wahrzeichen der Stadt.
Schau hinter den Kopf: An der Wand des langen Gebäudes steht „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ aus dem Kommunistischen Manifest, auf Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch. Gestaltet hat sie ein Künstlerkollektiv, zu dem der Grafiker Helmut Humann gehörte. Der Bau war Sitz des Rates des Bezirkes, in den 1980er Jahren residierte hier die SED-Bezirksleitung. Wegen seiner sägezahnförmig weitergeführten Bebauung nennen ihn die Chemnitzer „Parteisäge“; heute sitzt dort das Landesamt für Steuern und Finanzen.
Der Kopf erzählt die Geschichte einer Umbenennung. Am 10. Mai 1953 wurde Chemnitz zu Karl-Marx-Stadt, und der Wiederaufbau der im Krieg schwer zerstörten Innenstadt folgte nun den Plänen des sozialistischen Städtebaus. Ein Monument für den Namensgeber sollte diese neue Stadt verkörpern. Den Entwurf lieferte der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel, eingeweiht wurde die Plastik 1971.
Im Alltag heißt das Denkmal kaum Monument. Für die Chemnitzer ist es „dor Nischl“, mitteldeutsch für Kopf oder Schädel, und das Areal bekam spöttisch den Namen „Schädelstätte“, so wie Luther Golgatha übersetzte. Der Platz ist frei und jederzeit zugänglich; nimm dir ein paar Minuten, um einmal um den Sockel zu gehen. Dann sind es 800 m und 12 Min. bis zum DAStietz.














