Kathedrale von Nancy
Du stehst vor einer Fassade, die eher nach Rom als nach Lothringen aussieht: zwei Türme, dazwischen ein Giebel mit Uhr, alles im korinthischen Stil. Das ist kein Zufall. Giovan Betto, der die ersten Pläne zeichnete, nahm sich die römische Kirche Sant'Andrea della Valle zum Vorbild. Nach ihm arbeiteten Jules Hardouin-Mansart und Germain Boffrand an dem Projekt und änderten vieles wieder. Begonnen wurde 1703 unter Herzog Leopold I. von Lothringen, vollendet 1742.
Achte auf den Abstand der Türme. Er und die Länge des Schiffs waren auf eine große zentrale Kuppel berechnet, die nie gebaut wurde; geblieben sind eine schlichte Kuppel und der Uhrengiebel. Auch der Titel kam spät. Lothringen war Anfang des 17. Jahrhunderts politisch unabhängig, kirchlich aber an die Bistümer Metz, Toul und Verdun gebunden. Mangels eigenem Bischof erwirkte Herzog Karl III. beim Papst wenigstens einen Primas für Nancy, daher der alte Name Kathedrale des Primas. Kathedrale wurde die Kirche erst 1777, als Lothringen nach dem Tod von König Stanislaus an Frankreich gefallen war und Nancy seinen ersten Bischof bekam.
Hinein lohnt es sich unbedingt, auch für nur zehn Minuten, und der Eintritt ist frei. Das Schiff ist 60 Meter lang und 13,5 Meter breit; mächtige Pfeiler mit korinthischen Pilastern tragen es, und gerade diese Proportionen geben dem Raum seine ruhige Würde. Der Grundriss ist ein lateinisches Kreuz, die beiden Seitenschiffe haben je drei Kapellen. Die Orgel sitzt im Halbjoch am Beginn des Schiffs; geh nach vorn unter die Kuppel und schau weiter bis zur halbrunden Apsis.
Von hier sind es 370 m, etwa 5 Minuten, bis zur Place Stanislas, dem Platz, mit dem Stanislaus Nancy ein neues Zentrum gab.












